Warum Schweißgeruch auch angenehm riechen kann


Sauer oder stechend-beißend kann Schweiß riechen, manchmal aber auch recht angenehm. Vor allem Frauen haben eine gute Nase für Gerüche und können am Körperduft des Mannes erkennen, ob die „Chemie stimmt“. Ob Frauen einen Mann „gut riechen“ können, hängt nämlich nicht mit dessen Hygiene, sondern mit dessen Genen zusammen.

Schweiß – Ja. Schwitzflecken – Nein?

Schwitzen ist gesund und sogar erwünscht – aber meist nur aus der Sicht von Sportlern und Sauna-Gängern. Schwitzflecken unter den Achseln sind da schon weniger akzeptabel, vor allem für Businessleute, Schauspieler und Moderatoren. Doch in einem sind wir uns fast alle einig: Den Geruch von Achselschweiß und Käsefüßen finden wir unappetitlich, eklig oder widerlich.

Wer sich bei Liebespaaren umhört, erfährt oftmals ganz Erstaunliches: Da rümpft SIE nämlich nicht die Nase, wenn ER ein bisschen nach Schweiß duftet. Und umgekehrt muss ER sich auch nicht vor Ekel schütteln, wenn SIE etwas Körpergeruch hat. Wobei SIE eine viel feinere Nase als ER hat, und Männerschweiß viel intensiver als Frauenschweiß riecht. Hier die Fakten:

1. Wir müssen schwitzen, sonst würden wir innerlich verkochen.

Da der Mensch im Körperinneren eine Temperatur von rund 37 Grad halten muss, bildet sich bei überschüssiger Hitze Schweiß auf der Haut – die Verdunstungskälte kühlt den Organismus wieder ab.

  • Zwei bis drei Millionen kleine (ekkrine) Schweißdrüsen sondern zum Schwitzen bei zu großer innerer Hitze eine klare, wässrige Flüssigkeit ab, die vor allem aus Wasser besteht. Weitere Inhaltsstoffe sind Salz, Kalium, Proteine, Milch-, Harn- und Fettsäuren. Die genaue Zusammensetzung hängt von der Ernährung, der Körperregion, dem Gesundheitszustand und der Fitness der jeweiligen Person ab.
  • Von den großen (apokrinen) Schweißdrüsen sind wesentlich weniger in der Haut verteilt, sie geben beim emotionalen Schwitzen ein dickflüssiges Sekret ab. Mit dem Schweiß werden Abbauprodukte des männlichen Geschlechtshormons Testosteron ausgeschieden.
2. Der typische Schweißgeruch entsteht erst durch Bakterien.

Frischer Schweiß riecht nicht. Erst wenn die Bakterien auf der Haut aktiv werden, fängt es an zu muffeln. Die Bakterien ernähren sich nämlich von den Fettsäuren des Schweißes und setzen Fettsäurereste als Abfallprodukt frei – und die sind für den typischen Körpergeruch verantwortlich. Wie stark die Haut und die Textilien riechen, hängt unter anderem von der Anzahl der Hautbakterien ab.

  • Ein schwerer, saurer Geruch entsteht bei Bakterien namens Mikrokokken, der in größeren Mengen bei Frauen auftreten.
  • Ein stechend-beißender Geruch kommt zustande, wenn es sich bei den Bakterien um so genannte lipophile Diphtheroiden handelt. Sie kommen vermehrt bei Männern vor.
3. Unsere Gene beeinflussen unser Geruchsempfinden.

Mit dem Schweiß werden auch Abbauprodukte des Testosterons ausgeschieden, die von den Hautbakterien erst zu Androstenol umgewandelt wird, das nach Sandelholz riecht. Im nächsten Schritt wird es zu Androstenon verarbeitet – doch diese Substanz nehmen die Menschen nicht alle gleich wahr.

  • Einige sagen, dass Androstenon stechend nach Urin riecht.
  • Andere empfinden den Geruch als angenehm und süß wie Vanille.
  • Eine dritte Gruppe kann den Geruch gar nicht wahrnehmen.

Zu diesem Ergebnis kamen 2007 Wissenschaftler der Rockefeller University in New York und der Duke University in Nord-Carolina. Für die Studie bewerteten rund 400 Testpersonen 66 verschiedene Gerüche – parallel untersuchten die Forscher das Blut der Studienteilnehmer auf einen bestimmten Rezeptor namens OR7D4. Wenn die Wissenschaftler wussten, welche Variante dieses Rezeptors im Erbmaterial der Testpersonen vorlag, konnten sie Rückschlüsse auf deren Geruchsempfinden ziehen.

4. Männerschweiß riecht intensiver als Frauenschweiß.

Da Männer einen sechsmal höheren Testosterongehalt als Frauen haben, riecht der Männerschweiß für viele Menschen intensiver als Frauenschweiß – entweder nach Urin oder nach Vanille.

5. Kurz vor dem Eisprung ändert sch das Riechvermögen von Frauen.

Frauen, die den Achselschweiß eines Mannes als stechend-beißend empfinden, ändern ihre Meinung kurz vor dem Eisprung: Denn zum besten Zeitpunkt für die Befruchtung finden sie dessen Geruch eher angenehm und lassen ihn näher an sich heran. Das stellte der Wiener Verhaltensforscher Karl Grammer fest.

6. Frauen erkennen genetisch verwandte Männer am Schweißgeruch.

Wenn eine Frau einen Mann „nicht gut riechen“ kann, hängt das weniger mit dessen mangelnder Körperpflege zusammen, sondern mit einer möglichen genetischen Verwandtschaft. Um das zu belegen, ließ der Berner Evolutionsforscher Claus Wedekind Frauen an verschwitzten T-Shirts von verschiedenen Männern riechen.

Anhand von Gen-Analysen konnte der Wissenschaftler voraussagen, welchen Mann die Schnuppernde mag und wen nicht. Eine Abneigung kam immer dann zustande, wenn es bei Frau und Mann zu viele Ähnlichkeiten im Immunsystem gab. Biologisch macht die Reaktion viel Sinn, denn die genetische Vielfalt ist für den Nachwuchs vorteilhafter als zu viele Ähnlichkeiten im Erbgut von Mutter und Vater.

Bei Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen, ändert sich nicht nur der Hormonstatus sondern auch das Geruchsempfinden: Frauen empfinden den Körperschweiß des möglichen Verwandten dann als angenehmer als den des biologisch geeigneteren Partners. Ob sich daraus aber schließen lässt, dass die Frau nach dem Absetzen der Pille ihren Auserwählten plötzlich doch nicht mehr riechen kann, ist noch nicht geklärt.

Fachliche Beratung: Dr. Juliane Habig, Dermatologin, München

Fazit:

Den Schweißgeruch empfinden nicht alle Menschen gleich. Vor allem Frauen haben eine gute Nase für den Männerschweiß. Hier erfahren Sie, welchen Einfluss die Evolution auf unser Riechvermögen hat.

Ihre Erfahrung:

Wie reagieren Sie auf Schweißgeruch? Was empfinden Sie als angenehm bzw. unangenehm? Was tun Sie gegen das Schwitzen?

Foto: Paha / dreamstime

4 Kommentare

  • Sofy

    Höchst interessant… Ich fand Schweiß & sonstige Körpergerüche immer enorm abstoßend, obwohl ich mittlerweile 31 bin und in meinem Leben 2x richtig verliebt war. Beziehungen und kleinere “Romanzen” gab’s öfter; aber selbst wenn ich verknallt war oder jemanden total gerne mochte, bin ich regelrecht geflüchtet vor sämtlichen Körpergerüchen bzw. vom Körper abgesonderten Sekreten. Jener Ekel war meistens sogar der Trennungsgrund…

    Mein letzter Partner leidet zwar unter starkem Übergewicht, würde daher theoretisch zum Schwitzen, Mundgeruch, fettiger Haut, etc neigen – jedoch nimmt er sich immer Zeit für gründliche Körperpflege Körperhygiene (und generell Sauberkeit im HH, in seinem Umfeld,…) – somit hat es mich quasi nie gestört.

    Hingegen hatte ich mal einen Ex, der sehr viel Sport getrieben hat und öfters auch mal für meine empfindliche Nase “unangenehm roch” (andere meinten, das stimmt gar nicht). Jedenfalls war es für mich der blanke Horror, obwohl wir uns sonst extrem gut verstanden hatten. Wir waren regelrecht seelenverwandt — nur wurde mir übel von all den abturnenden Gerüchen, echt sorry! Habe andere Menschen um mich in dieser Hinsicht nie verstanden, wie sie sowas akzeptieren können… noch weniger, warum es vielen am eigenen Körper absolut nicht auffällt.

    • Karin Hertzer

      Hallo,
      mir geht es ähnlich wie Ihnen: Ich muss mich etwas abwenden, wenn ich jemanden nicht “riechen” kann. Und ein unangenehmer Körpergeruch wäre für mich auch ein wichtiger Grund, nicht näher mit dieser Person zu tun haben zu wollen.
      Doch was für Sie nicht gut riecht, kann für mich okay sein. Denn das hängt ja mit unserem Immunsystem und – bei Frauen – mit der jeweiligen Phase im Menstruationszyklus zusammen.
      Es gibt Menschen, die schlichtweg mehr schwitzen als andere – und Menschen, die einen stärkeren Schweißgeruch als andere verströmen. Dafür können sie nichts, und vielen ist das auch extrem peinlich. Da hilft dann manchmal auch das Sich-tagsüber-mehrmals-Waschen nichts, Deos und Parfums können den Geruch nur übertünchen.
      Wenn Ihnen ein Mensch sehr wichtig ist und Sie dessen Schweißgeruch stört, sprechen Sie das Thema doch mal direkt an. Ohne Vorwürfe. Sondern einfach nach dem Motto: “Was ich dir mal sagen wollte…”.
      Einige Starkschwitzer sind sehr dankbar für offene Gespräche, weil sie wissen, dass das Müffeln ein Tabuthema ist. Viele sind sehr verzweifelt deshalb und erleichert, wenn jemand ohne Vorurteile auf sie zugeht. Vielleicht kommen Sie ja gemeinsam auf gute Ideen, wie der Schwitzer und Sie mit dem Müffeln am besten umgehen könnten – oder was der Schwitzer noch mal ausprobieren könnte.
      Sie können hier gern von Ihren Erfahrungen berichten.
      Mit herzlichen Grüßen von Karin Hertzer

  • Also ich bin 16 und bin seit 2 Jahren mit meinem Freund zusammen, und ich bin sehr verliebt. Nun ist mir aufgefallen, dass ich den Schweißgeruch alles andere als ekelhaft empfinde. Ich rieche es sogar gerne. Ich liebe seinen Geruch einfach – ob mit oder ohne Schweiß.

    • Liebe Cindi,
      es freut mich, dass du deinen Freund gern riechen magst. Wusstest du, dass sich das Riechvermögen mit der Einnahme der Pille verändert? Umgekehrt heißt das aber auch: Wer die Pille wieder absetzt, wundert sich manchmal, dass der Partner plötzlich ganz anders riecht. Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, dass ihr euch weiterhin gut riechen könnt :-))

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