Heatperformance: Tests mit beheizbaren Unterziehhandschuhen
Zum Testen hat mir die Firma HeatPerformance den beheizbaren Unterziehhandschuh THIN (Link zur Firmen-Webseite) zur Verfügung gestellt. Hier lesen Sie den ausführlichen Testbericht von Aurelia, die eine schwere Form des Raynaud-Syndroms hat.
Zum besseren Verständnis: Ob Unterziehhandschuhe „gut“ sind, hängt vor allem davon ab, welche Heizleistung sie an den Fingerspitzen haben und welche Handschuhe man darüber anzieht. Aurelia hat mehrmals am Tag heftige Raynaud-Anfälle (Einblick in ihren Alltag). Deshalb hat sie verschiedene eigene Überhandschuhe mit den THIN-Unterhandschuhen ausprobiert.
Zum Abschluss äußert sich Erwin Wooning zu den Testergebnissen und stellt seine Philosophie vor. Seine Firma HeatPerformance ist in Sassenheim, der Ort liegt etwa 45km südwestlich von Amsterdam.
Wie kamen die beheizbaren Handschuhe mit der Post an?
Die Handschuhe kamen in einem schönen Karton mit Magnetverschluss an. Ich finde, dass sie recht ansprechend verpackt waren. Im Päckchen befanden sich die jeweils einzeln verpackten Akkus in einer Umverpackung, ein verpacktes Ladegerät, zwei Bedienungsanleitungen für die Handschuhe sowie die Akkus mit Hinweisen zur Benutzung sowie die in einer Folie verpackten Handschuhe. Was besonders nett auffiel, war eine Karte mit einem „Dankeschön“ zur Begrüßung.
Wie fühlt sich das Gewebe an?
Das flexible Gewebe lässt sich sehr angenehm tragen, es ist weich und anschmiegsam. Es besteht aus 92% Polyester und 8% Elastan und ist für die Handwäsche geeignet. Die Herstellung erfolgte in China.
Wie ist die Passform?
Mit der Handschuhgröße M, was einer 8 entspricht, passt der Handschuh perfekt für meine Handgröße.
Wie gut funktioniert das Einsetzen der Akkus?
Die Akkus lassen sich mit etwas Geschick gut einsetzen, da auch hier das Gewebe dehnbar und flexibel ist. Allerdings hätte der Reisverschluss etwas weiter sein können, dann würde der Akku leichter in die Tasche rutschen.
Wie kommst du mit der Verkabelung der Akkus zurecht?
Eine positive Überraschung bei der Verkabelung von Handschuh und Akku ließ sich feststellen: Der Stecker ist klein wie bei einem Kopfhörer-Kabel. Zusätzlich verfügt er über eine Schutzkappe, was richtig super ist, wenn man den Handschuh mal nass reinigen möchte.
Der Kabeleingang am Akku für das Kabel des Handschuhs ist formfest, da dieser mit dem Akku nochmals durch eine Einschweißung (eine Art Schrumpfschlauch) fixiert wurde. Dadurch ist es super einfach, den Handschuh mit dem Akku zu verbinden. Die Kabellänge in der Handschuhtasche für den Akku ist schmal und ausreichend lang.
Drücken die Akkus am Handgelenk?
Die Akkus drücken nicht am Handgelenk, wobei ich persönlich Akkus am Handgelenk nicht so optimal finde.
Passt der Ärmel der Jacke gut über die Akkus?
Getestet habe ich zwei verschiedene Jacken. Bei der Jacke mit den engeren Ärmeln war es aufwändig, den Akku nach dem Anziehen der Jacke unter den Ärmel zu stecken. Bei den weiteren Ärmeln ging dies im Nachgang bedeutend einfacher.
Zieht man zuerst die Handschuhe an und dann die Jacke darüber, so stellt man fest, dass die Akkus an den Handschuhen kaum noch spürbar sind und „verschwinden“. Dies trägt zu einem sehr angenehmen Effekt bei und lässt einen fast vergessen, dass sich Akkus an den Handgelenken befinden.
Wie gut lässt sich das Handy bedienen?
Mit den Unterziehhandschuhen lässt sich das Handy wunderbar bedienen. Der eingenähte „Bedienfunktionsstoff“ in beiden Handschuhen ist an Daumen, Zeige- und Mittelfinger vorhanden. Nur der Ringfinger und der kleine Finger funktionieren nicht, was ja auch nicht nötig ist.
Das Handling ist auch bei feineren Aufgaben möglich, z.B. Geld aus dem Geldbeutel nehmen. Ich habe sogar das Aufheben von Kleingeld auf der Kassentheke getestet: Es ist möglich, wenn auch dafür etwas Zeit benötigt wird. Überziehhandschuhe ohne diese Funktion müsste man erst ausziehen, um die Münzen aufheben zu können.
- Fingerspitzen der beheizbaren Unterziehhandschuhe
- Innenleben der beheizbaren Unterziehhandschuhe
Wie lange dauert das Aufladen?
Ich hatte nur die 7,4V-Akkus im Test. Das Aufladen hat zwischen 4 und 4,5 Stunden gedauert, ich finde das schon recht lang. Beim Ladevorgang hörte ich einen „pfeifenden“ Ton in höherer Frequenz, was mich etwas irritiert hat.
Welche Wärmestufe findest du angenehm?
Die beheizbaren Handschuhe habe ich ausschließlich mit der höchsten Stufe (rot) getestet. Die niedrigen Stufen habe ich nicht deutlich gespürt.
Welche Kombinationen hast du mit den Unterziehhandschuhen getestet?
TEST 1: Beheizbare Unterziehhandschuhe mit höchster Stufe
Schon nach 30 Minuten Aufenthalt im Freien bei einer Außentemperatur von ca. 3,5° C reichte die Heizleistung nicht aus, um bei meinem starken Raynaud-Syndrom einen Anfall zu verhindern.
- Beheizbarer Handschuh von oben
- Beheizbarer Handschuh von unten
TEST 2: Unterziehhandschuh unter zwei-lagigem Baumwollhandschuh mit Innenfilzmaterial
Die Unterziehhandschuhe passten super in meine Baumwollhandschuhe als Überziehhandschuhe, und die Kombination ergab ein angenehmes Tragegefühl.
Nach einem 30 Minuten dauernden Spaziergang im Freien und einer Außentemperatur von um die 0°C reichte die Heizleistung aus, um einen Anfall zu verhindern.
Die Heizleistung könnte für mich jedoch noch höher sein. Ich vermute aber, dass sich ein Raynaud-Anfall bei einem längeren Zeitfenster (mehr als 1 Stunde) nicht vermeiden lässt.
- Baumwollhandschuh mit Filzfutter von oben
- Baumwollhandschuh mit Filzfutter von unten
TEST 3: Unterziehhandschuh und Goretex-Handschuh
Die Unterziehhandschuhe passten nicht wirklich gut in meine Goretex-Handschuhe, die ich darüber zog. Die Kombination war zu eng und ergab ein eher unangenehmes Tragegefühl.
Nach einem 30 Minuten dauernden Spaziergang im Freien und einer Außentemperatur von um die 9° C reichte die Heizleistung aus, um einen Raynaud-Anfall zu verhindern. Allerdings waren meine Finger nicht wirklich warm.
Als ich bei kälteren Temperaturen mit dieser Kombination rausging, bekam ich einen Raynaud-Anfall.
- Goretex-Handschuh von oben
TEST 4: Unterziehhandschuh und Lederhandschuh
Die Unterziehhandschuhe passten nicht gut in meine Lederhandschuhe, die ich zum Überziehen ausprobiert habe. Die Kombination erwies sich als viel zu eng, was die Handhabung einschränkte, sodass ich das Tragegefühl unangenehm fand.
Nach einem knapp 15 Minuten dauernden Aufenthalt im Freien und einer Außentemperatur von um die 9° C reichte die Heizleistung gerade so noch aus, um einen Raynaud-Anfall zu verhindern. Allerdings waren meine Finger recht kalt.
Bei niedrigerer Außentemperatur erfolgte ein Anfall in kürzester Zeit. Ich vermute, dass es an der engen Kombination der beiden Handschuhe lag und keine Lufterwärmung stattfand.
TEST 5: Unterziehhandschuh und 2-lagigem Baumwollfäustling mit Teddyfutter
Die Unterziehhandschuhe passten ganz gut in meinen 2-lagigen Baumwollfäustling mit innerem Teddymaterial. Die Kombination war jedoch am Daumen etwas zu eng, und ich hatte das Gefühl, dass er taub werden könnte. Aber an den restlichen Fingern fand ich diese Kombination angenehm.
Nach einem 30-Minuten-Spaziergang im Freien und einer Außentemperatur von um die 5° C reichte die höchste Heizleistung aus, um bei mir einen Anfall zu verhindern.
Da ich eine schwere Art des Raynaud-Syndroms habe, könnte die Heizleistung höher sein. Fraglich ist, ob die Wärme ausreichend wäre, einen Anfall bei längerem Zeitfenster (über 1h) vermeiden zu können, selbst wenn der Daumen zu den anderen Fingern in den Fäustling gesteckt wird.
- Baumwoll-Fäustling mit Teddyfutter oben
- Baumwoll-Fäustling mit Teddyfutter unten
Der 6. TEST Unterziehhandschuh und Skihandschuh…
… konnte aufgrund der wärmeren Wetterlage nicht mehr stattfinden. Ich würde aber annehmen, dass ein Skihandschuh für den Alltag einfach zu dick wäre und damit untauglich für die tägliche Anwendung. Im Schnee könnte die Wärme ausreichend sein, für Morbus-Raynaud-Patienten mit starker Ausprägung – wie ich sie habe – wird die Wärmeintensität bei längerer Zeit (über 1 Stunde) vermutlich nicht ausreichen.
Hast du einen Anfall bekommen, obwohl du die Handschuhe bereits zu Hause im Warmen angezogen hattest?
Die Unterziehhandschuhe habe ich bei jedem Test zu Hause auf höchster Stufe vorgewärmt. Einen klaren Wärmeabfall habe ich beim Überziehen der Goretex- und Lederhandschuhe bemerkt.
Welche Vor- und Nachteile siehst du für Unterziehhandschuhe?
Vorteile: Für Morbus-Raynaud-Patienten mit leichter Ausprägung und Menschen ohne Beschwerden ist dieser Unterziehhandschuh eine einfache Möglichkeit, die Hände warm zu halten. Selbst für ältere Menschen sollte die Handhabung mit diesen dünnen Handschuhen möglich sein
Sie lassen sich mit weiteren Handschuhen individuell kombinieren und sprechen damit eine große Zielgruppe an. Wichtig ist nur, dass man die „richtigen“ Überziehhandschuhe für sich findet: Sie dürfen nicht zu eng sein, aber auch nicht zu kompakt. Denn sonst sind sie ungeeignet für den Alltag.
Nachteile: Für den Wintersport, bei extremer Kälte oder für Menschen, die eine hohe Heizleistung benötigen, sind die 7,4V-Akkus zu schwach. Da das Material sehr flexibel und dehnbar ist, könnte es bei einer dauerhaften Benutzung ausleiern und zu weit werden. Das Bündchen, wo der Akku eingesetzt wird, könnte etwas enger sein.
Kannst du diese Unterziehhandschuhe empfehlen? Für welche Zielgruppe? Für wen nicht?
Klare Empfehlung dieser beheizbaren Handschuhe für alle Menschen, die manchmal kalte Hände bekommen und eine Unterstützung suchen, um hier vorzubeugen.
Für Morbus-Raynaud-Patienten mit starker Ausprägung, so wie ich es habe, ist die Heizleistung leider nicht ausreichend.
Welche Schulnote würdest du geben?
Ich würde den beheizbaren Unterziehhandschuhen von HeatPerformance die Note 1,8 geben. Der geringe Punktabzug ergibt sich wegen der nicht ausreichenden Heizleistung für mich und meine starke Ausprägung des Raynaud-Syndroms.
Hinzu kommen die zu große Elastizität am Handschuhbündchen, das fehlende Angebot von Akkus mit stärkerer Heizleistung und die fehlende Kabelverlängerung. Alles in allem machen die Handschuhe einen sehr guten Eindruck.
Liebe Aurelia, herzlichen Dank für deinen ausführlichen Testbericht zu den beheizbaren Unterziehhandschuhen THIN von der Firma HeatPerformance.
Erwin Wooning, Inhaber von HeatPerformance:
Die beheizbaren Handschuhe THIN, die Aurelia getestet hat, sind sehr dünne Unterhandschuhe und unsere am wenigsten warmen Handschuhe. Da sie nicht winddicht sind, hängt der Grad der Erwärmung also davon ab, welche Art von Handschuhen Sie darüber tragen.
Wenn Sie darüber einen Wollhandschuh tragen, dringt der Wind auch dort hindurch, und die Wärme unseres Unterhandschuhs entweicht schnell. Ich denke, dass die Handschuhe THIN für jemanden mit Raynaud-Syndrom nicht gut geeignet sind.
Ich denke, dass unsere Handschuhe ULTIMATE am besten für Menschen mit Raynaud-Syndrom geeignet sind. Diese Handschuhe verfügen über zusätzliche Wärmezonen und sind daher die wärmsten ihrer Art.
Seit wann bieten Sie beheizbare Handschuhe an? Wie kamen Sie auf die Idee?
HeatPerformance gibt es derzeit seit vier bis fünf Jahren. Ich hatte zuvor ein anderes Online-Unternehmen, das ich jedoch verkauft habe. Danach wollten meine Partnerin und ich wieder ein neues Unternehmen gründen, und da meine Frau immer sehr kalte Füße und Hände hat, dachten wir uns: „Dafür muss es doch eine Lösung geben.“
Nachdem wir die Möglichkeiten geprüft hatten, haben wir HeatPerformance gegründet und versucht, ein breites Sortiment für jeden Geschmack zusammenzustellen – also Wintersport-Handschuhe, Arbeitshandschuhe, Fahrradhandschuhe, dünne Handschuhe für drinnen, Reithandschuhe usw.
Importieren Sie die Handschuhe und die Akkus? Wenn ja: Aus welchen Ländern? Wie prüfen Sie die Qualität vor Ihrem Einkauf?
Unsere Produkte stammen aus Asien und Amerika. Wir stehen natürlich in engem Kontakt mit unserer Fabrik und haben ein externes Qualitätsprüfungsunternehmen beauftragt, das die Qualität der Produkte vor Ort überprüft und testet.
Was die Batterien betrifft, so verwenden wir eine 7,4-V-Batterie. Diese gibt an, wie viel Leistung die Batterie „in das System einspeisen” kann. Die 2600mAh oder 3000mAh sagen etwas über die Kapazität der Batterie aus, also wie lange sie hält.
Wie viele Modelle bieten Sie an? Wie unterscheiden Sie sich?
Auf unserer Website finden Sie unsere Kollektion mit den Unterschieden: Hier geht’s zur Firmen-Unterseite „beheizbare Handschuhe„.
Wie unterscheidet sich der Markt für beheizbare Handschuhe in den Niederlanden und in Deutschland?
Nicht so viel. Im Prinzip werden unsere Produkte an Menschen verkauft, die unter kalten Händen leiden. Darum geht es im Grunde genommen. Manche Menschen fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit und möchten dies auch in den Wintermonaten tun, andere suchen nach Skihandschuhen, wieder andere arbeiten im Baugewerbe und möchten während ihrer Arbeit warme Hände haben.
Welche Zielgruppen sprechen Sie an? Welche Personengruppe ist dabei am größten?
Alle, die kalte Hände haben. Wir arbeiten nicht mit Zielgruppen.
Wie können sich Personen mit Raynaud-Syndrom am besten vor Anfällen mit weißen Fingern schützen?
siehe Informationsleitfaden zum Raynaud-Syndrom
Wie wichtig ist es, die Akkus in der wärmeren Jahreszeit immer wieder mal aufzuladen? In welchem Zeitabstand?
Es ist wichtig, die Akkus von den Handschuhen zu trennen, wenn diese nicht benutzt werden. Andernfalls entladen sich die Akkus sehr langsam und sind im nächsten Winter möglicherweise nicht mehr so leistungsstark wie zuvor. Außerdem empfehlen wir, die Akkus alle 3 bis 4 Monate einmal vollständig aufzuladen. Auf diese Weise bleiben die Akkus „wach“.
Herzlichen Dank, Herr Wooning, für Ihre ausführlichen Antworten und Informationen.




























