Interview und Tipps: Was hilft gegen Erkältungen?

Was haben Frieren und Schwitzen mit Erkältungen zu tun? Und wie lassen sich die Abwehrkräfte stärken? Die Zusammenhänge erklärt der HNO-Arzt Dr. Michael Deeg aus Freiburg im Interview. Die Erkältung hat trotzdem eiskalt zugeschlagen? Hier gibt der Sprecher des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. Tipps, wie Sie sich Husten, Schnupfen und Heiserkeit wieder vom Hals schaffen können.

>>> Interview von Julia Wieland

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Gibt es eigentlich Menschen, die anfälliger für Erkältungen sind als andere?
Dr. Michael Deeg: Auf jeden Fall. Und zwar aus sehr unterschiedlichen Gründen. Ihre Abwehrbereitschaft zum Beispiel. Die hängt davon ab, wie Ihr körpereigenes Immunsystem funktioniert. Und das hat wiederum damit zu tun, wie gesund Sie sind und wie Ihre Lebens- und Umgebungsbedingungen aussehen.
Also ich als HNO-Arzt habe mit Sicherheit eine völlig andere Abwehrlage als Sie. Seit zwanzig Jahren werde ich angehustet und angeniest, ich schüttle täglich Hände mit irgendwelchen Keimen dran, und mein Immunsystem ist sicherlich davon geprägt und hat sich erweitert. Einen ähnlichen Effekt kennt man von kleinen Kindern, die ihre Immunabwehr ja erst im Laufe der Zeit entwickeln. Wenn die Kleinen dann in den Kindergarten kommen, kriegen sie einen Infekt nach dem anderen. Das geht eine Weile so, dann haben sie es überstanden und sind deutlich gesünder.

Das heißt, ich stärke meine Abwehr dadurch, dass ich mich möglichst vielen Erregern aussetze, und wenn ich das überlebt habe, machen sie mir nichts mehr aus?
Dr. Deeg Frieren Schwitzen ErkältungDas wäre rein theoretisch zwar denkbar, aber praktisch bitte nicht als geeignete Maßnahme zu verstehen! Sie können ja nicht wissen, welchem Erreger Sie sich da gerade aussetzen. Außerdem spielt für die so genannte Anfälligkeit für Erkältungen nicht nur die Immunabwehr eine Rolle. Menschen mit leicht verkrümmter Nasenscheidewand beispielsweise haben eine beeinträchtigte Nasenatmung, die kriegen sehr viel schneller Infekte der oberen Atemwege. Bei Menschen, deren Zugänge zu den Nasennebenhöhlen sehr viel schmaler sind als sonst, genügt ein leichter Schnupfen, damit die Höhlen zu schwellen und es zu komplizierten Verläufen kommt. Oft geraten diese Patienten von einem Infekt zum nächsten.

Was kann ich selbst tun, um meine Abwehrbereitschaft zu stärken?
In der Sauna beispielsweise lernt der Organismus, sich an stark wechselnde Umgebungsbedingungen anzupassen. Erst erhitzt sich der Körper stark und schwitzt, anschließend kühlt er beim kalten Guss wieder ab – ähnlich wie beim Wechselduschen. Patienten mit Herzerkrankung oder mit Bluthochdruck sollten übrigens zuerst Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten. Davon abgesehen ist für eine bessere Abwehrbereitschaft körperliches Ausdauertraining wichtig. Ein gesunder, fitter Mensch ist auf jeden Fall im Vorteil.

Was passiert beim Sport auf körperlicher Ebene?
Vieles. Die Frage ist, inwieweit Ihr Kreislauf belastbar ist oder ob der unter bestimmten Bedingungen gleich an seine Grenzen kommt. Wenn Sie eine gute Körperkondition haben, ist Ihr Körper in der Lage, auch unter Belastungsbedingungen im gesamten Organismus optimale Verhältnisse aufrechtzuerhalten. Dazu zählt beispielsweise auch die Durchblutung der Kapillaren, die die beispielsweise auch Ihre inneren Organe mit Blut versorgen. Und das hat dann wiederum viel damit zu tun, wie gut Ihre lokale Abwehrbereitschaft funktioniert.

Ab wann wird Frieren krankhaft? Gibt es Warnsignale?
Wenn sich die Blutgefäße zusammenziehen und Sie kalte Hände und Füße kriegen, ist Alarm. Wenn Sie sich dieser Situation zu lange aussetzen, wird die Chance auf eine Erkältung  größer.

Hilft dann noch ein heißes Bad? Oder ist es dafür schon zu spät?
Wenn Sie eine Stunde lang in der Kälte oder in der Zugluft gestanden haben, total durchgefroren sind, und bibbernd nach Hause kommen, kann es sein, Sie haben sich schon erkältet. Auch wenn Sie sich hinterher noch eine halbe Stunde in die heiße Wanne gelegt haben.

Gegen Grippe kann man sich impfen lassen – auch gegen das Schnupfenvirus?
Leider nein. Das Problem ist, dass sich Viren ständig verändern. Das Robert-Koch-Institut ist laufend damit beschäftigt, die verschiedenen Virusarten der so genannten Grippeviren und ihrer mutierten Formen zu bestimmen und dann entsprechende Impfstoffe zu empfehlen. Rhinoviren verändern sich sehr, sehr schnell, außerdem sind sie zu vielfältig, als dass Sie sich dagegen immunisieren könnten.


5 Erkältungstipps: Was hilft, wenn mich ein Virus „erwischt“ hat?
  1. Ganz wichtig: Trinken Sie viel! Denn Sie haben in den Tagen der Infektion zumindest eine leicht erhöhte Körpertemperatur und verlieren deutlich mehr Flüssigkeit als an normalen Tagen. Sie schwitzen mehr, auch nachts. Das sollten Sie durch häufiges Trinken ausgleichen.
  2. Wenn die Nase zu schwillt, können abschwellende Sprays oder Tropfen Erleichterung verschaffen. Die Mittel können unter Umständen auch Entzündungen der Nasennebenhöhlen verhindern.
  3. Ernähren Sie sich gesund, ausgewogen, leicht und vitaminreich.
  4. Vitamin C und dem Spurenelement Zink wird zugeschrieben, bestimmte biochemische Effekte an der Schleimhaut zu unterstützen. Beim Vitamin C geht es um die so genannten freien Radikale, die eine Art Entzündungsreaktion begünstigen können. Wissenschaftlich gesichert ist das aber bislang nicht.
  5. Wenn Sie völlig durchkühlt nach Hause kommen, sollten Sie sich ins Bett legen, sich schonen und viel trinken. Lassen Sie sich aus der Apotheke schleimlösende, pflanzliche Heilmittel [Phytopharmaka] holen. Dann machen Sie gleich drei Sachen auf einmal richtig: Sie führen sich Wärme zu, Flüssigkeit und Wirkstoffe.

Vielen Dank für das Gespräch und die Tipps!

Fazit:

Der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. empfiehlt, bei einer Erkältung vor allem viel zu trinken. Hier erfahren Sie, dass vor allem Viren die Ursache einer Erkältung sind.

Ihre Erfahrung:

Was hilft Ihnen bei einer Erkältung? Was können Sie außer den schon genannten Tipps bei Husten, Schnupfen und Heiserkeit empfehlen? Bitte nennen Sie in Ihren Kommentaren keine Produktnamen.

Fotos: YinYang / istockphoto.com, privat (2)

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