„Riechen können wir nur, was die Nase erreicht“

Das Schwitzen ist vielen Menschen unangenehm – wegen der Schweißflecken und des Geruchs. Während andere die Nase rümpfen, beschäftigt sich der Diplom-Biologe Dr. Timo Hammer von den Hohenstein Instituten sogar beruflich damit, wie stark Sportshirts, Oberhemden, Blusen und Socken nach Schweiß riechen. Im Interview erklärt der Hygiene-Forscher, wie Geruchsprüfer arbeiten und warum es nicht genügt, wenn Textilien „nur“ atmungsaktiv sind.

Testriecher trainieren mit Schweißgeruch

Sie forschen zum Schweißgeruch in der Kleidung. Wie angenehm ist solch ein Job?

Dr. Timo Hammer: Als Wissenschaftler muss ich mich auf die Nase unserer Geruchsprüfer verlassen, ich lasse also riechen.

Wie haben Sie die Testriecher geschult?

Geruchsprüfer sollen eine durchschnittlich empfindliche Nase haben. Unser Training dauert einige Wochen – dann können die Testriecher vorgegebene Gerüche in Mischungen wieder finden. Das funktioniert auch, wenn wir die Konzentration der Duftmoleküle langsam ansteigen lassen.

Mit einer Software erfassen wir alle Ergebnisse. So merken wir beispielsweise, ob sich bei einem Testriecher gerade eine Erkältung anbahnt, die das Riechvermögen verschlechtert. Dann setzt derjenige für eine Weile aus. Vergleichbare Ergebnisse bekommen wir nur, wenn die Geruchsprüfer am Vortag keinen Knoblauch essen und vor dem Test selbst auf den Kaffee verzichten und nicht rauchen – das gehört deshalb auch zu deren Auflagen.

Viele Hersteller von Sport- und Outdoorbekleidung werben damit, dass ihre Textilien atmungsaktiv sind. Warum genügt das nicht?

Sportkleidung muss den Schweiß nach außen transportieren können, damit es zwischen der Haut und den Textilien nicht zu einem Hitzestau kommt. Atmungsaktive Materialien lassen den Wasserdampf gut durch, da hat sich in der Entwicklung schon viel getan.

Beim Schwitzen ist die Flüssigkeitsmenge das Eine. Bei unseren Untersuchungen interessieren wir uns ’nur‘ für den Schweißgeruch, den die Textilien aufnehmen und wieder abgeben. Denn riechen können wir ja nur das, was unsere Nase erreicht. Deshalb fragen wir uns:

  • Wie reagieren die Geruchsmoleküle mit den Textilien?
  • Wie halten die Materialien die Substanzen fest?
  • Wie wird der Schweißgeruch wieder freigesetzt?

Gibt es tatsächlich schon Textilien, die den Geruch nicht mehr freisetzen?

Nein, das Problem mit dem Schweißgeruch haben die Hersteller noch nicht im Griff. Grundsätzlich gäbe es 3 Möglichkeiten:

  1. Geruch binden: Die Fasern müssten die Geruchsmoleküle an der Oberfläche festhalten. Das ist technisch aber nicht so einfach.
  2. Geruch neutralisieren: Eine chemische Reaktion könnte die Geruchsmoleküle umwandeln, sodass sie nicht mehr unangenehm riechen.
  3. Geruch überdecken: Duftstoffe in den Fasern könnten den Schweißgeruch überlagern – ähnlich wie beim Parfümieren oder Einsprühen mit einem Deo.

Eine Firma aus Taiwan mischt den Fasern Substanzen aus Kaffee bei, damit sie den Schweißgeruch neutralisieren. Was halten Sie davon?

Wir hören immer wieder mal von neuen Erfindungen, auch Textilien mit Anteilen von Kokosnüssen soll es geben. Bei unseren Prüfmustern können wir aber nie 100-prozentig sagen, was drin ist. Wie die Textilien exakt hergestellt wurden, das verraten uns die Hersteller nämlich nicht. (Infos zu S. Cafe Fabrics von Singtex)

Hier geht’s weiter mit dem 2. Teil des Interviews: „Schweißgeruch – Schwitzen: JA! Müffeln: NEIN!“

Zur Person: Der Diplom-Biologe Dr. Timo Hammer leitet bei den Hohenstein Instituten in Bönnigheim die Forschungsabteilung des Fachbereichs Hygiene, Umwelt und Medizin. Schwerpunkt seiner Arbeit ist es, die Wechselwirkungen von Textil und Mensch zu untersuchen.

Fotos: Hohenstein Institute (oh)

Ihre Erfahrungen:

Welche Tipps haben Sie für den Einkauf von Sport- oder Businesskleidung? Wie reinigen Sie Ihre verschwitzte Kleidung? Was tun Sie, damit Sie nicht unangenehm nach Schweiß riechen?

Text aktualisiert am 3.8.2014

2 Kommentare

  • lilalaune

    Hallo, also wenn meine Klamotten wirklich mal extrem nach Schweiß riechen, tauche ich sie vor dem Waschen für eine Stunde in Essig ein. Das hat bisher auch den hartnäckigsten Geruch bekämpft. Ansonsten achte ich meist schon beim Kauf meiner Sportsachen auf atmungsaktive Kleidung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.