Schwitzen: JA! Nach Schweißgeruch müffeln: NEIN!


Verschwitzte Kleidung muss nicht riechen – wussten Sie das? Der Diplom-Biologe Dr. Timo Hammer von den Hohenstein Instituten testet, wie atmungsaktiv Textilien sind und wie stark sie den Schweißgeruch binden. Das Qualitätszertifikat „Geruchsreduktion“ erhalten Materialien nur, wenn sie obendrein noch einen Trageversuch erfolgreich bestehen. Ein angenehmes Interview über ein Thema, das vielen Menschen ungenehm ist. Hier geht’s zum 1. Teil: „Riechen können wir nur, was unsere Nase erreicht“

Jeder Mensch hat seine eigene Mischung an Hautbakterien

Frischer Schweiß ist geruchslos. In Kombination mit den Hautbakterien kann er ziemlich streng riechen. Welche Substanzen sind dafür zuständig?

Dr. Timo Hammer: Die Hautflora ist bei jedem Menschen anders, mittlerweile lassen sich 50 Hautbakterien bestimmen. Unter den Achseln und an den Füßen sind vor allem die Keime von 2 Gattungen aktiv:

  • Staphylokokken
  • Corynebakterien

Für den typischen Schweißgeruch sind unter anderem Carbonsäuren oder Fettsäuren verantwortlich. Wie sich diese Geruchsmoleküle verhalten, überprüfen wir in unserem Labor exemplarisch mit Hilfe von Leitsubstanzen.

Nur für Textilien, die umfangreiche Tests bestanden haben, vergeben Sie das Qualitätslabel „Geruchsreduktion“ . Wie gehen Sie bei den Untersuchungen vor?

Je nachdem, welches Produkt wir testen sollen, gibt es passende Versuchsdesigns. Wir können die Prüfmuster zunächst mit 2 technischen Methoden untersuchen, die Stoffläppchen analysieren wir im Vergleich zu unseren Basisstoffen. Nur wenn die Endprodukte auch einen Praxisversuch mit den Testriechern bestehen, erhalten sie das Siegel „Geruchsreduktion“ oder auf Englisch „All Day Fresh“:

1. Antibakterielle Wirkung: Der Test soll simulieren, dass das Textil beim Sport oder bei der Arbeit auf der Haut getragen wurde. Dafür impfen wir die Stoffläppchen im Labor mit Hautkeimen, die als Geruchsbildner bekannt sind. Nach 4 Stunden Einwirkzeit wird bestimmt, wieviele Staphylokokken und Corynebakterien in den Textilien vorhanden sind. Werden die Bakterien im Textil abgetötet, kann auch kein Geruch entstehen.

2. Bindefähigkeit der Textilien: Wir haben eine künstliche Schweißlösung entwickelt, die den Schweißgeruch simuliert und radioaktiv markierte Carbonsäure enthält. Mit dieser Flüssigkeit „impfen“ wir die Proben und warten dann 24 Stunden ab. Nach der Einwirkzeit messen wir die Anzahl der Carbonsäuren auf dem Textil, also die noch verbliebenen Geruchsmoleküle.

3. Trageversuch plus Testriecher: Mindestens 5 Probanden tragen die zu untersuchenden Funktionsshirts, Socken oder Einlegesohlen beim Sport, zum Beispiel beim Joggen. Wenn es sich um Businesskleidung handelt, lösen sie Konzentrationsaufgaben, um das Schwitzen durch die psychische Anspannung anzuregen.

Die Muster kommen in geruchsneutrale Plastiktüten (siehe kleines Foto). Über einen Probengeber steigt den Testriechern der Geruch in immer stärkeren Konzentrationen in die Nase. Sowie sie den Schweiß wahrnehmen, drücken sie auf einen Knopf.

Das hört sich nach einer strengen Prüfung an. Wieviele Produkte haben Ihr Siegel denn schon erhalten?

Wir legen die Hürden sehr hoch, die Kombination der 3 Untersuchungsmethoden ist weltweit einzigartig. Von unserem Qualitätsanspruch wollen wir aber nicht abrücken, denn das würde niemandem etwas bringen.

Die Lizenz bieten wir seit Anfang 2012 an, seitdem haben wir das Siegel nur für eine Handvoll an Mustern vergeben. Ich gehe aber davon aus, dass sich in den nächsten 2 bis 3 Jahren bei der Geruchsbindung und bei der Geruchsfreisetzung noch viel tun wird.

Draußen hat es heute 32 Grad. Wie gut kommen Sie eigentlich mit der Hitze zurecht?

Viel heißer als jetzt brauche ich es nicht. Zum Glück haben wir hier im Labor eine Klimaanlage, und zu Hause habe ich die Möglichkeit, im kühlen Keller zu schlafen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person: Der Diplom-Biologe Dr. Timo Hammer leitet bei den Hohenstein Instituten in Bönnigheim die Forschungsabteilung des Fachbereichs Hygiene, Umwelt und Medizin. Schwerpunkt seiner Arbeit ist es, die Wechselwirkungen von Textil und Mensch zu untersuchen.

Fotos: Hohenstein Institute (oh)

Ihre Erfahrungen:

Wann schwitzen Sie besonders stark? Wie erklären Sie sich, dass Männer mehr als Frauen schwitzen? Was tun Sie, damit Sie nicht unangenehm nach Schweiß riechen?

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