Outdoorkleidung: „Merinowolle ist optimal“

Knallbunt, nachhaltig und innovativ: Bei der Outdoor- und Sportbekleidung setzt Ortovox auf Schurwolle aus der Schweiz und Merinowolle aus Tasmanien. Im Interview nennt Dominik Haas, Junior Marketing Manager der Firma aus Taufkirchen bei München, die Vorteile der Wollkleidung.

8 Fragen an Dominik Haas von der Ortovox Sportartikel GmbH

1. Wer viel schwitzt, kommt meist nicht auf die Idee, Kleidung aus Wolle zu tragen. Warum eignet sich Wolle aber auch beim Sport für Unterwäsche und T-Shirts?

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Dominik Haas: Viele Menschen haben Wollprodukte noch als altmodische, kratzige Bekleidung in Erinnerung, aber  in den letzten Jahren hat sich einiges getan. Obwohl die Schafe und ihre Wolle gleich geblieben sind, haben sich die Produktionsmethoden verbessert und weiterentwickelt.

Zu einer perfekten Sportfaser wird das Material durch neuartige Strickstrukturen und die positiven Eigenschaften von Merinowolle: Sie ist weich, geruchsneutralisierend, natürlich und nachhaltig.

Für Sportler, die viel schwitzen, eignet sich Merinowolle, weil sie abhängig von der Außentemperatur temperaturregulierend wirkt – also wärmen bzw. kühlen kann. Für alle Zweifler haben wir vor 2 Jahren die Merino Competition Cool Kollektion auf den Markt gebracht – dafür verwenden wir eine Mischung aus 44% Polyamid, 27% Merinowolle, 27% kühlenden Cellulose-Fasern und 2% Elastan.

2. Andere Firmen verarbeiten Merinowolle aus Australien oder Neuseeland. Ortovox hat eine neue Kooperation begonnen und 25 Tonnen Merinowolle in Tasmanien bestellt. Warum?

Tasmanien bietet die optimalen Voraussetzungen für beste Wollqualität. In den weitläufigen, satten Weidelandschaften im Osten der Insel haben die Farmer seit 180 Jahren Erfahrungen mit der Zucht und dem Umgang mit den Merinoschafen gesammelt.

Wir beschränken uns auf hauptsächlich 3 Farmen und können deshalb sicher stellen, dass es den Schafen gut geht – ebenso wie den Angestellten, die sich mit vollem Einsatz um die Tiere kümmern. Die tasmanische Wolle ermöglicht uns, den Weg bis zur einzelnen Herde zurückzuverfolgen.

3. Wieviele Kleidungsstücke lassen sich eigentlich aus 25 Tonnen Merinowolle herstellen?

Das werden rund 200.000 Stück Bekleidung, die Merinowolle enthalten. Das Tolle an der sehr dünnen Merinowolle ist, dass sie nicht kratzt und die Fasern so gleichmäßig und stabil sind, dass sie nicht reißen. Schon das Rohmaterial der Merinowolle ist so sauber, dass man kaum Wasser und Seife braucht, um es zu reinigen.

4. Ortovox hat seinen Hauptsitz in Taufkirchen bei München. Wäre eine komplette Produktion Ihrer Wollkleidung „Made in Europe“ in Zukunft möglich?

Generell lässt sich nur sagen, dass die Merinowolle aus „Down Under“ kommt, weil es sie nur dort gibt.

Wir lassen einen großen Teil unserer Bekleidung in Europa produzieren, aber leider ist das bei einigen Wollprodukten auf Grund mangelnder Infrastruktur nicht möglich. Deshalb greifen wir auf Produzenten in Fernost zurück, die eine geeignete Technologie besitzen und die wir uns finanziell leisten können.

5. Derzeit läuft die Produktion für die nächste Wintersaison auf Hochtouren, denn dann besinnen sich viele Menschen darauf, dass Wolle bestens gegen das Frieren hilft. Was ist der Vorteil von einem Füllmaterial aus Wolle gegenüber einer synthetischen Füllung?

Wolle hat einen sehr guten Isolationsgrad und wärmt vor allem im Vergleich zur Daune auch im nassen Zustand. Sie wächst auf natürlichem Wege wieder nach und ist genauso leicht und packfreundlich wie jede ölbasierte Faser.

6. Wie kam es, dass Sie sich für Swisswool als Kooperationspartner entschieden haben?

Die Schäfer aus der Schweiz produzieren sehr kurze Fasern, die sich leider nicht dafür eignen, Garne daraus herzustellen. Wir hatten die innovative Idee, die Schurwolle nicht zum Stricken zu nutzen, sondern als Isolationsmaterial für Jacken und Westen.

7. Welche Wege legt die Schurwolle zurück, die Ortovox zu Isolationsmaterial für Westen und Jacken verarbeitet?

Die Lieferwege halten wir so kurz wie möglich und unterstützen damit die Europäische Wirtschaft: Die Schäfer liefern ihre Rohwolle bei den 25 Sammelstellen in der Schweiz ab und werden dort vor Ort bar bezahlt. An den Sammelstellen wird die Schurwolle nach Qualität sortiert und weiter zum Waschen nach Belgien gefahren.

Von dort aus geht es zur Firma Baur nach Dinkelsbühl in Deutschland, wo Vliesmatten aus der Wolle hergestellt werden. Anschließend lassen wir die Vliesbahnen in Osteuropa in die Jacken bzw. Westen einarbeiten.

8. Hand aufs Herz: Tragen Sie selbst rund ums Jahr hauptsächlich Kleidungsstücke aus Wolle?

Mein Kleiderschrank ist schon sehr gut mit Wollprodukten gefüllt. Ich trage aber auch andere Stoffe – nur keine reinen Plastikfasern. Vor allem meine Hemden sind meist aus anderen Materialien, aber nächsten Sommer werden wir sehr schöne Hemden aus Merinowolle auf den Markt bringen. Mein Kleiderschrank wird also zunehmend wolliger.

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Interviews und Texte zu Kleidung aus Wolle:
Ihre Erfahrung:

Wie gut kommen Sie mit Outdoorkleidung aus Wolle zurecht? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie beim Frieren bzw. Schwitzen? Was tun Sie gegen das Frieren?

Fotos: Karin Hertzer (3), Ortovox (3)

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