Mineralische und chemische UV-Filter gegen Sonnenbrand

Wer in den sonnigen Süden fährt, um dort Urlaub zu machen, bekommt schnell mal einen Sonnenbrand. Macht doch nichts, haben sich die Sonnenhungrigen früher gedacht. Heutzutage gilt eine braungebrannte Haut aber nicht mehr unbedingt als Statussymbol. Denn mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass die UV-Strahlung die Haut schneller altern lässt und sie anfälliger für Hautkrebs macht. Hier erklärt die Münchner Dermatologin Dr. Juliane Habig, was noch nicht so bekannt ist – und zwar die Funktionsweise von mineralischen und chemischen UV-Filtern.

Es gibt bei Sonnenschutzmitteln zwei grundsätzlich verschiedene Wirkprinzipien. Wie funktionieren die mineralischen Filter?

Schwitzen Expertin: Dr. Juliane HabigDr. Juliane Habig: Das können Sie sich wie bei vielen kleinen Spiegeln vorstellen, die auf der Haut liegen und das Sonnenlicht reflektieren. Die mineralischen UV-Filter bestehen aus natürlichen, weißen Farbpigmenten – und zwar meist aus Titandioxid und Zinkoxid.

Daher hinterlässt die Sonnenschutzcreme, wenn sie nicht in Hauttönen gefärbt ist, beim Auftragen einen feinen, weißlich schimmernden Film auf der Haut.

Je kleiner die enthaltenen Teilchen sind, umso besser lässt sich die Creme auf der Haut verteilen. Mittlerweile wurden auch mineralische UV-Filter als Nanopartikel entwickelt, sie sind 1 bis 100 nm groß. Ein nm ist 10 hoch -9. Diese Nanoteilchen führen zu einer vergrößerten Schutzfläche – bei gleichem Gesamtvolumen.

Welche Vorteile haben mineralische UV-Filter?

  • Vorteilhaft ist, dass die Sonnencreme sofort nach dem Auftragen schützt, weil die Reflektion der Sonnenstrahlen gleich nach dem Auftragen erfolgt. Die Wartezeit, wie man sie von chemischen UV-Filtern kennt, entfällt also.
  • Positiv ist auch, dass mineralische Pigmente – im Gegensatz zu manchen chemischen Filtern – kaum allergen und chemisch stabil sind und daher keine schädlichen Reaktionsprodukte bilden.

Und was sind die Nachteile eines mineralischen Sonnenschutzes?

  1. Technisch ist es nicht so einfach, Pigmente zu leicht auftragbaren Cremes und Lotionen zu verarbeiten. Man muss also etwas länger reiben, bis der weißliche Film auf der Haut verschwunden ist.
  2. Von Nachteil ist auch, dass es nur mit mineralischen Filtern schwierig ist, einen extrem hohen Lichtschutzfaktor zu erreichen. Dafür wird er meistens immer noch mit dem chemischen UV-Schutz kombiniert. Ich habe mittlerweile auch Präparate gefunden, die rein mineralisch bis 50 gehen – es sind zwar noch wenige, aber immerhin.
  3. Ein gesundheitliches Problem stellen möglicherweise die Nanopartikel dar. An umfassenden Studien, die dies korrekt belegen, mangelt es allerdings.
  4. Sonnenschutzmittel mit Nanopartikeln sollte man möglichst nicht schlucken. Das macht bestimmt niemand absichtlich, aber bei kleinen Kindern kann das schon mal passieren. Die Forschungen dazu sind noch nicht abgeschlossen. Derzeit nimmt man aber an, dass die Nanopartikel im Magen-Darm-Trakt dazu beitragen können, dass sich gutartige Gewebeneubildungen bilden. Wenn Eltern also ihre Kinder mit denselben Mitteln eincremen wie sich selbst, sollten sie die Tuben und Flaschen außer Reichweite der Kleinen aufbewahren.

Zum Weiterlesen:

Für Schwitzer eignen sich gut haftende Sonnenschutzcremes, sie enthalten meist mineralische UV-Filter.


Nun zu den chemischen Sonnenschutzmitteln. Wie funktionieren sie?

Sonnenschutzmittel, die nur chemische UV-Filter enthalten, dringen recht gut in die äußere Schicht der Oberhaut ein. Bis sie jedoch ihre volle Wirkung entfalten, vergehen 20 bis 30 Minuten – sozusagen bis alle im Sonnenschutzmittel enthaltenen Moleküle aktiv werden. Um was es sich dabei genau handelt, steht auf der Verpackung – zum Beispiel Benzon, Trisiloxan oder Drometrizol.

Die Aufgabe der chemischen Sonnenschutzmittel ist es, die in die Haut eingedrungenen UV-Strahlen in andere Energieformen wie Wärme umzuwandeln. Dabei entstehen aber auch chemische Reaktionsprodukte, deren Wirkung noch nicht vollends erforscht ist und deren Unbedenklichkeit nicht immer bewiesen werden kann.

Aber keine Sorge: Es wird einem nicht heißer dabei, wenn man chemische Sonnenschutzmittel verwendet. Wer viel schwitzt, tut das aus anderen Gründen.

Bei Sonnenschutzmitteln lassen sich UV-A- und UV-B-Filter unterscheiden, Breitbandfilter können beide Lichtspektren umwandeln. Wie wirken sie?

  • Die UV-A-Strahlen gelangen durch die Hornhaut bis in die Lederhaut. Dort schädigen sie die Kollagenfasern und lassen die Haut vorzeitig altern. UV-A-Filter wirken also  einer frühzeitigen Hautalterung entgegen.
  • Die UV-B-Strahlen sind energiereicher.  Sie wirken vorwiegend in der Oberhaut, können aber auch einen Sonnenbrand verursachen. UV-B-Filter schützen also vor einem Sonnenbrand.

Die Bezeichnung Sunblocker sollte man nach Vorgaben der EU-Kommission übrigens nicht mehr verwenden. Das Wort lässt nämlich fälschlicherweise vermuten, dass ein Sonnenschutzmittel vollständig vor UV-Strahlen schützen könnte – aber das geht nicht.

Welche Vorteile haben chemische UV-Filter?

Das lässt sich ganz kurz erklären: Es sind dabei höhere Lichtschutzfaktoren als bei den mineralischen Filtern möglich.

Die Liste der Nachteile von chemischen Sonnenschutzmitteln ist wesentlich länger. Wie erklärt sich das?

  1. Chemische UV-Filter zersetzen sich nach 3 bis 6 Monaten. Sie brauchen also in jeder Saison neue Produkte, um einen Sonnenbrand zu vermeiden.
  2. Bestimmte UV-Filter stehen im Verdacht, hormonell zu wirken. Das zeigte sich in Studien bei Zellversuchen im Reagenzglas und bei Tierversuchen, deren Fortpflanzungsfähigkeit so beeinflusst wurde.
  3. Die Kritik der Zeitschrift Ökotest (2012) bezieht sich vor allem auf den Inhaltsstoff Octocrylene, weil er nicht nur hormonell wirken soll, sondern auch allergische Reaktionen auslösen kann.
  4. Chemische UV-Filter haben Wissenschaftler als Rückstände in der Umwelt, in Fischen und in der Muttermilch nachgewiesen. Welche Schäden die ermittelten Mengen hervorrufen können, ist noch nicht erwiesen.

Vielen Dank für das Interview!

Dr. Juliane Habig ist Fachärztin für Dermatologie und Allergologie und hat eine molekularbiologische Zusatzausbildung. Sie führt eine eigene Praxis, hält Vorträge und moderiert Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Pressekonferenzen.

Fazit:

Für Schwitzer eignen sich Sonnenschutzmittel mit mineralischen UV-Filtern besser als solche mit chemischen UV-Filtern. Beides hat Vor- und Nachteile. Übrigens: Nicht nur die menschliche Haut muss vor einem Sonnenbrand geschützt werden, sondern auch die Blätter von Pflanzen.

Ihre Erfahrungen:

Wie gut kommen Sie mit mineralischen Sonnenschutzmitteln zurecht? Welche Erfahrungen haben Sie mit chemischen UV-Filtern? Was tun Sie gegen den Schweißgeruch in Ihrer Kleidung?

Text aktualisiert am 9.7.2014

Foto: Karin Hertzer (1), oh (2)

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