Merinokleidung: „Wir sind stolz, Pioniere zu sein“

Was früher kratzte und juckte, fühlt sich heutzutage ganz weich auf der Haut an: Unterwäsche aus Wolle. Genauer gesagt: Die Funktionswäsche, mit der die neuseeländische Firma Icebreaker 1994 auf den Markt kam, besteht aus feinster Merinowolle von Hochlandschafen. Um die Erfolgsgeschichte von Jeremy Moon genauer kennenzulernen, habe ich ihn im August 2013 per Mail interviewt. Hier finden Sie seine Antworten auf Englisch.

9 Fragen an Jeremy Moon, Gründer und CEO von Icebreaker

1. Wir hatten 2013 einen wirklich langen Winter und danach sehr viel Regen. Darauf folgte ein schöner kurzer Sommer mit viel Sonnenschein. Wie ist das Wetter in Neuseeland gerade?

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Jeremy Moon: Hier haben wir Winter, das bedeutet eine Mischung aus Regen, Schnee und Sonne mit kälteren Temperaturen. Vor ein paar Wochen war ich beim Skifahren auf der Süd-Insel zwischen Queenstown und Wanaka. Es war toll, in den Bergen zu sein und eine gute Zeit mit meinen 3 Töchtern zu verbringen. Glücklicherweise gibt es heute bessere Skier als zu der Zeit, als ich in ihrem Alter war.

Das Großartige beim Skifahren auf der Süd-Insel ist, dass man von Merino-Stationen umgeben ist. Mir läuft es immer eiskalt den Rücken herunter, wenn ich in die Berge fahre, weil dort unsere Firmengeschichte lebendig wird und sich die tiefe Wahrheit in dem, was wir tun, verstärkt. Mir macht es Spaß, sie meinen Kindern immer wieder zu erzählen – sie tun so, als ob sie es niemals satt haben.

Es gibt solch eine elegante Einfachheit darin, eine Faser, die durch die Natur hergestellt wurde, um ein Tier in den Bergen am Leben zu halten, in ein Kleidungssystem umzuwandeln, um Menschen in den Bergen am Leben zu erhalten. Das ist ein natürlicher Kreislauf (… und) war die Inspiration, mit der Icebreaker gestartet ist – und mir gefällt es, dass sie nach 18 Jahren immer noch wahr ist.

2. Vor vielen Jahren hat meine Großmutter wollene Unterwäsche für die Kinder gestrickt. Die kratzte aber sehr, und deshalb mochten wir sie nicht gern anziehen. Welche Kleidung haben Sie in Ihrer Kindheit getragen?

Ich habe auch diese kratzigen wollenen Unterhosen getragen. Erst als wir die Merinowolle entdeckten, fühlte es sich wieder richtig an.

3. Im Alter von 24 haben Sie Ihre eigene Firma gegründet. Wie schwer war es, Investoren oder Banken davon zu überzeugen, Geld in die Produktion von Merino-Outdoor-Kleidung zu investieren?

Ich war jung, und deshalb war es hart. Tatsächlich habe ich mir einen Kredit über 20.000 NS-Dollar geholt, um eine Küche einzubauen. Es endete aber damit, dass ich das Geld für mein Business eingesetzt habe.

Ich habe es geschafft, 8 Investoren zu überzeugen, Geld zu investieren – einige waren die Eltern meiner Freunde. Jeder hat mir 25.000 NS-Dollar gegeben. Einer von ihnen ist Noel Todd, er ist heute noch im Vorstand von Icebreaker.

Wir brauchten 3 Jahre, um den ersten Gewinn zu machen – 800 NS-Dollar. Noel Todd witzelt immer, dass das die erste Firma ist, an der er beteiligt ist, in der man die Gewinne trinken konnte und immer noch nüchtern blieb.

4. Wolle hilft gegen das Frieren im Winter. Aber wie arbeitet das Material, wenn die Leute im Sommer mit dem Schwitzen zurechtkommen müssen?

Bei warmem Wetter hält Merinowolle Ihre Haut kühl, indem sie den Wasserdampf von der Haut wegtransportiert, um dann zu verdunsten. Und weil Merino wunderbar atmet, entweicht der Wasserdampf, ohne dass sich das Material klamm fühlt.

5. Würden Sie Merino-Outdoor-Kleidung für alle Sportarten empfehlen? Oder gibt es Aktivitäten, die sich eher für synthetische Stoffe als für Merino eignen?

Ich würde Merino-Outdoor-Kleidung absolut für alle Sportarten empfehlen. Der einzige Zeit, wann man synthetische Stoffe tragen müsste, ist, wenn man etwas braucht, dass eng an der Haut anliegt – was aber wahrscheinlich nur wichtig ist, wenn man ein Profi-Athlet ist, der schneller werden möchte.

Unsere technische Bandbreite ist ideal für Sport und Fitness, weil Premium-Merino die Temperatur reguliert, sehr atmungsaktiv ist, um Feuchtigkeit und Überhitzung zu verhindern, weil es schnell trocknet und Gerüche abweist – so kann ein Outfit für mehrere Workouts getragen werden, ohne gewaschen zu werden.

6. Was machen Sie mit der Wolle, damit sie nicht mehr kratzt?

Wir benutzen weiche, feine Merinowolle von der Süd-Insel Neuseelands. Sie besteht aus Keratin – das Protein im menschlichen Haar, in der Haut und in den Nägeln – daher ist sie ebenso praktisch zu tragen wie die eigene Haut.

Traditionelle Wolle, der alte kratzige Kram, kommt von Tiefland-Schafen, die dickere, grobere Haare hat, die juckt oder kratzt, wenn sie auf der Haut liegt. Merinofasern sind so fein, dass sie sich einfach biegen, wenn sie  mit der Haut in Kontakt kommen.

7. Welches Feedback bekommen Sie von Ihren Kunden zum Baacode?

Unsere Kunden – auch die deutschen – erzählen uns, wie gut sie es finden, Merino-Hersteller auf den Schafstationen im Hochland von Neuseeland anzutreffen, zu sehen, wie die Arbeiter, die die Kleidung herstellen, behandelt werden, und etwas über saubere Herstellungstechnologien zu lernen.

Der Baacode ist ein Weg für uns, unser Engagement für umweltpolitische und soziale Standards zu zeigen. Wir können eine Geschichte über unsere Stoffe erzählen – zum ganzen Weg der Lieferkette.

8. Was denken Sie über den Markt für Merino-Outdoor-Kleidung in Europa?

Der Markt in Europa und speziell in Deutschland wächst, während die Leute die Tragevorteile von Merinowolle, einer natürlichen Faser, kennenlernen und wertschätzen. Die Deutschen verstehen, dass es nicht nur um die erneuerbare natürliche Faser wie das Rohmaterial geht – sondern um alles, was mit der Faser gemacht wird und wie sie zu einem Kleidungsstück verarbeitet wird.

Obwohl diese Entscheidungen uns dazu bringen, höhere Produktionskosten als mehrere unserer Mitbewerber anzusetzen, glauben wir daran, dass das den Wert widerspiegelt, den auch die Deutschen unserer Marke und der Qualität der Kleidung zuweisen, die sie tragen. Wir sind stolz darauf, Pioniere in der Kategorie der Merinokleidung zu sein.

9. Welche Pläne haben Sie für die nächsten 10 Jahre?

Wir sind nicht perfekt, deshalb suchen wir ständig nach neuen Innovationen und Verbesserungen, um die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen. Grundsätzlich wollen wir einen besseren Job machen als zu der Zeit, als wir angefangen haben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Infos über den Wollemarkt:
Ihre Erfahrung:

Wie gut kommen Sie in der kalten Jahreszeit mit Funktionswäsche aus Merinowolle zurecht? Welches Material bevorzugen Sie im Sommer beim Sport und beim Wandern, wenn Sie schwitzen? Wie wichtig finden Sie es, Genaueres über die Herkunft Ihrer Kleidung zu erfahren?

Fotos: Karin Hertzer (3), Icebreaker (2)

2 Kommentare

  • „Was machen Sie mit der Wolle, damit sie nicht mehr kratzt?“
    Die echte Antwort müsste heißen: „Wir nutzen das Hercosett-Verfahren, bei dem die Wolle mit einem dünnen Plastikfilm umhüllt wird. Das ist auch der Grund, warum sie in der Waschmaschine nicht verfilzt.“

  • Das ist ja eine wirklich interessante Geschichte… Immer öfter treffe ich auf die Träger von Icebreaker-Produkten – im Restaurant, beim Joggen im Urlaub. Ich habe mich schon länger gefragt, was dahinter steckt.

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