Raynaud-Syndrom: “Weiße Finger beim Aufhängen der Wäsche”

In die Antarktis zu fahren – darauf käme ich gar nicht erst, obwohl ich Schnee und Eis auf Fotos sehr faszinierend finde. Umso erstaunter war ich, als mir die Juristin Carmen Winkler (46) erzählte, dass sie bei einer Kreuzfahrt in die Antarktis nicht sonderlich gefroren hat. Damals war ihr Raynaud-Syndrom, das sie seit ihrer Kindheit hat, noch nicht zurückgekehrt. Mittlerweile bekommt sie aber schon bei gemäßigten Temperaturen Frieren-Anfälle, bei denen ihre Finger weiß werden. Sie hat meinen Fragebogen ausgefüllt, in dem es vor allem ums Frieren geht, bei der letzten Antwort aber auch ums Schwitzen.

10 Fragen an Carmen Winkler aus München

1. Wie erklärst du dir, dass du oft frierst?

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Meine Mutter hat mich auf das Raynaud-Syndrom gebracht, weil ich seit letztem Winter immer stärker unter meinen weiß werdenen Fingern leide. Sie hat es ebenfalls. Bei mir trat es als Teenager auf, aber in schwacher Form. Kürzlich war ich beim Angiologen und habe meine “Selbstdiagnose” bestätigt bekommen: Raynaud-Syndrom, primäre Form, also angeboren.

2. Was passiert bei einem Frieren-Anfall?

Ich kann sogar mehrere Anfälle pro Tag haben. Sie dauern zwischen 15 Minuten und knapp einer Stunde. Die Finger werden weiß und beim Einschießen des Blutes rot bis blau. Bei mir ist Blau allerdings eher selten. Das kann mit heftigen Schmerzen verbunden sein.

Auslöser sind bei mir Kältereize, aber vor allem Stress.

Schwellungen der Gliedmaßen treten bei mir nicht auf.

3. In welchen Situationen frierst du besonders stark?

Seit dem letzten Winter wird es bei mir immer schlimmer. Zunächst war bisher nur Kälte der Auslöser für die weißen Finger – allerdings dann schon so extrem, dass ich kein Gefühl mehr in den Fingern hatte und es mehr als eine halbe Stunde dauerte, bis die Durchblutung wieder normal war.

Seit diesem Herbst bekomme ich die “Anfälle” bereits bei gemäßigten Temperaturen (also bei 10 bis 15°C Außentemperatur) und auch in geschlossenen Räumen, also beispielsweise im Büro oder zu Hause.

Bei mir scheint auch ein gewisses Hungergefühl einen Anfall auszulösen. Oft reicht schon ein leichter Stress, beispielsweise wenn ich zu spät dran bin, aber noch den Bus für den nächsten Termin erwischen muss.

Auch bei direkten Reizen wie bei kaltem Wasser geht es oft los. Wenn ich im Winter nasse Wäsche aufhängen muss, ist das mein absoluter Horror. Unser Keller ist zwar warm, aber die Feuchtigkeit der Wäsche reicht meist chon aus, um einen Anfall auszulösen.

4. Welche heißen Tipps hast du bei kalten Händen?

Da ich die Diagnose erst kürzlich bestätigt bekommen habe, bin ich noch am Experimentieren. Warmes Wasser hilft bzw. ein heißer Tee. Auch die Achselhöhlen wärmen die Hände gut auf, nur ist das nicht in allen Situationen opportun.

Fingerhandschuhe trage ich schon ab 10°C. Fäustlinge scheiden in Zeiten von Smartphones leider aus. Vor kurzem habe ich mir Handwärmer auf Aktivkohlebasis bestellt, die mit Luft reagieren und dann für gut 5 Stunden Wärme abgeben. Wie gut das funktioniert muss ich noch ausprobieren.

5. Was hilft dir am besten gegen kalte Füße?

Im Bett habe ich immer handgestrickte Socken an. Aber meistens friere ich gleich am ganzen Körper, sodass kalte Füße kein Extra-Problem sind.


cherokee-rose-frieren-schwitzen_Carmen Winkler hat ein schönes Hobby: Sie liebt die Kreuzstichstickerei und schreibt in ihrem Blog steamboatcrossstich darüber.

Als Foto habe ich eine Cherokee Rose ausgewählt: Sie ist die offizielle Blume des US-Staats Georgia und erinnert mich an die Zeit, in der ich in Atlanta gelebt und gearbeitet habe.

Beim Sticken ist es – wie bei jeder Handarbeit – natürlich extrem wichtig, warme Hände zu haben. Sonst macht es keinen Spaß und tut vielleicht sogar weh!


6. Welche Kleidungsstücke ziehst du im Winter am liebsten an?

Ich trage keine spezielle Kleidung im Winter. Eine lange Winterjacke, Schal und Handschuhe. Mützen kann ich nicht ausstehen. Ich trage überwiegend Röcke mit dickeren oder Thermo-Strumpfhosen. Gerade habe ich etwas höhere, mit Lammfell gefütterte Stiefel gekauft. Also eigentlich ganz normale Winterkleidung, nichts besonderes.

7. Ernährst du dich im Winter anders als im Sommer? Wenn ja: Welche Wirkung hat das auf deine körperliche Wohlfühltemperatur?

Außer dass es natürlich saisonbedingt anderes Obst oder Gemüse gibt, ernähre ich mich im Winter nicht anders als im Sommer. Insgesamt ernähren wir uns aber eher gesund und ausgewogen mit wenig Fett und Fleisch. Das Eisessen ist bei mir glücklicherweise kein Problem.

8. Welche körperliche Aktivität oder Sportart hilft dir am besten gegen das Frieren?

Sportlich bin ich erst seit etwas mehr als einem Jahr:  Crosstrainer und seit einigen Monaten auch Nordic Walking, wenn die Sonne scheint. Erstaunlicherweise reicht beim Nordic Walking auch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt ein langärmliges Funktionsshirt und eine Soft Shell Jacke. Allerdings habe ich Handschuhe an. Beim Sport friere ich eher nicht.


Weitere Interviews zur Weißfinger-Krankheit

Primäres Raynaud-Syndrom:Schneemänner _ frieren schwitzen_

Angela erzählt, dass sie im Winter keinen Salat waschen mag, weil sie dann anfängt zu frieren und ihre Finger weiß werden.

Christine berichtet, dass sie lieber in warme als in kalte Regionen reist und schon nach dem Essen von 2 Eiskugeln anfängt zu frieren.

Stephanie ist den ganzen Tag in Bewegung, aber nach dem Sport fängt sie an zu frieren.

Yvonne bekommt Frieren-Anfälle, wenn sie in den Kühlschrank greift. Dann helfen ihr ein warmes Quarzsand-Bad für die Hände und ein Fußbad.

Sekundäres Raynaud-Syndrom:

Simone hat – anders als Angela, Christine und Stephanie – das sekundäre Raynaud-Syndrom, ihre Grunderkrankung ist die Sklerodermie. Hinzu kommt eine Diabetes vom Typ 1. Hier ihr Bericht übers Frieren.


9. Wenn du dir etwas wünschen dürftest: Was müsste gegen das Frieren noch erfunden werden?

Auf amerikanischen Webseiten habe ich schon spezielle Handschuhe gesehen, die angeblich selbst wärmen sollen. Allerdings funktioniert das wohl nur eingeschränkt, und die Wirkung lässt nach einem Jahr nach. Beheizbare Handschuhe wären toll – ja, gibt es im Prinzip schon. Aber eine 9 Volt Batterie für 2 Stunden Leistung? Was eine tolle Erfindung wäre: ein Produkt, das schnell und immer funktioniert!

10. Zum Schluss noch etwas ganz anderes: Wie gut kommst du eigentlich mit dem Schwitzen zurecht?

Ich schwitze recht leicht, was aber hormonell bedingt ist. Ich hatte Jahre, da musste ich eine Treppe nur ansehen, und der Schweiß fing an zu laufen. Das hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise normalisiert.

Danke für deine Antworten!


Beheizbare Handschuhe: Tipps zum Online-Einkauf

alpenheat_beheizbare_handschuhe_waermebild_56.3_frieren_schwitzenCarmen Winkler und die anderen oben genannten Frauen mit Raynaud-Syndrom wollten wissen, ob sie mit beheizbaren Handschuhen so warme Hände bekommen, dass sie seltener als sonst Weißfinger-Attacken bekommen. Daher haben sie für meinen Blog an Tests zu beheizbaren Handschuhen teilgenommen.

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Fazit:

Wenn Ihre Hände anfallsartig weiß anlaufen und schmerzen, haben Sie möglicherweise das so genannte Raynaud-Syndrom. Fragen Sie einen Internisten oder eine Angiologin, welche Ursache in Frage kommt: Es gibt nämlich nicht nur den primären, sondern auch den sekundären Typ, bei dem die Anfälle eine Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung sind.

Ihre Erfahrung:

Wenn Sie Zeit und Lust haben, können Sie meinen Fragebogen zum Nie-wieder-frieren gern ausfüllen. Denn je mehr ich über Ihre Erfahrungen und Wünsche erfahre, desto besser kann ich mich mit künftigen Texten und Interviews darauf einstellen.

Fotos: Verschneite Berge am Festland in der Antarktis (1, Franz Neumeier), Carmen Winkler (2), Angela Hoffmann (3), Karin Hertzer (4)


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