Frieren im Foto-Studio oder schummeln mit Dummy-Eis?

Mais-Eis? Wasabi-Eis? Austern-Eis? Nicht jede neue Eiskreation schmeckt, und auch nicht jedes Vanille-Eis ist tatsächlich echt – selbst wenn einem beim Anblick schon das Wasser im Munde zusammenläuft. Alles nur Schwindel? Am Eisstand unseres Vertrauens hoffentlich nicht, aber in der Foodfotografie manchmal schon: Der Foodfotograf Günter Beer arbeitet ausschließlich mit echtem Eis (siehe Fotos oben), während der Foodstylist Johannes Schalk auch mal schummelt – sein Dummy-Eis besteht aus Margarine und Stärke. Ein Werkstatt-Bericht.

Nur eine Minute für Fotos von echtem Eis

eis_essen_frieren_schwitzenEs ist ja schon eine Kunst, beim sommerlichen Stadtbummel oder am Strand ein Eis in der Waffel zu genießen – ohne dass es einem die Finger herunterläuft. Zur Königsdisziplin wird das Hantieren mit dem Eis erst recht für Foodfotografen, denn die Fotolampen strahlen ja eine irrsinnige Hitze ab. Und wenn das Eis schon geschmolzen ist, bevor die Fotoserie fertig ist, muss man sich etwas einfallen lassen.

Der Foodfotograf Günter Beer kann ein Lied davon singen, denn er wohnt und arbeitet in der Nähe von Barcelona, wo es im Sommer ziemlich heiß werden kann. Aber warum fotografiert er ausschließlich echtes Speiseeis? Seine verblüffend einfache Antwort: „Es ist echt.“

Echt ist immer gut. Aber dann bleibt die Frage, wie sich der Feinschmecker-Fotograf auf das  Eis-Shooting vorbereitet:  „Um das Licht richtig zu setzen, nehme ich eine Frucht, die ähnlich groß wie das Eis ist. So kann ich die Szene arrangieren und – wenn alles stimmt – das Eis gegen das Obst austauschen.“

Viel Zeit bleibt dem Feinschmecker-Fotografen nicht, bis das Eis unansehnlich aussieht: „Das hängt davon ab, wie kalt das Eis vorher war und wie warm es im Studio ist. Aber eine Minute hat man immer.“


guenter-beer_portraet_frieren_schwitzen_Bei einem Workshop zur Food-Fotografie erklärte uns Günter Beer, der mit Köchen wie Eckart Witzigmann gearbeitet hat und eigene Rezepte-Apps anbietet, wie er mit natürlichem und mit künstlichem Licht arbeitet. Ums Fotografieren von Eis ging es damals leider nicht, dafür aber um tolle Effekte für Fotos von Tomaten, Suppen und Schokoladentorten.

Was mich beeindruckte, war der Ringblitz, den uns der Food-Fotograf zeigte: Damit lassen sich nämlich Suppenteller, flache Teller und Tortenplatten so fotografieren, dass die Lichtflecken im Kreis um das Motiv herumlaufen. Kein ganz preiswertes Vergnügen, aber sicherlich auch eine gute Idee für Eis-Fotos auf großen Desserttellern.


Dummy-Eis für Werbezwecke

vanille_eis_frieren_schwitzen_k„Vor allem in der Werbung wird viel geschummelt, um dem Kunden ein perfektes Produkt zu zeigen“, erklärt Johannes Schalk, der in Falkensee am nordwestlichen Rand Berlins wohnt und zu den vielleicht 100 in Deutschland arbeitenden Foodstylisten gehört.

In seinem Interview mit welt.de hatte ich erfahren, dass es nur 5 professionelle Eisstylisten in Deutschland gibt. Das machte mich neugierig – und so fragte ich Johannes Schalk, ob er bei Eisfotos auch mal schummelt.

Wenn er die freie Wahl hätte, würde er lieber mit echtem Speiseeis arbeiten, erklärt der Berliner Foodstylist. Dafür kauft er die besten Zutaten, füllt riesige Boxen mit Trockeneis und hält seine unterschiedlichen Eisportionierer griffbereit: „Um die Fotozeit zu verlängern, kühlen wir das Fotostudio mit Klimaanlagen auf 5°C runter oder fotografieren gleich im Kühlcontainer.“

Für mich käme ein solcher Job nicht in Frage, denn ich könnte mir wirklich etwas Schöneres vorstellen, als bei der Arbeit ständig frieren zu müssen. Aber Frauen frieren ja auch schneller als Männer – wobei ich leider vergessen habe zu fragen, ob die 5 Eisstylisten tatsächlich alles Männer sind.

johannes_schalk_frieren_schwitzen_kNach den Vorbereitungen im Kühlcontainer bleibt nicht viel Zeit, bis das echte Eis schmilzt. Der Foodstylist, der sein Handwerk als Koch gelernt hat, meint:  „Da geht es wirklich nur um Sekunden.“

Jetzt aber Hand aufs Herz, Herr Schalk. Für die Eiswerbung und die Fotos auf den Eisverpackungen nehmen Sie dann doch lieber ein gefaktes Eis, oder? „Wir sind ja nicht nur am Schummeln, sondern versuchen bei echtem Eis zu bleiben. Wenn man jedoch mit Highspeed-Kameras und unglaublich heißen Lampen arbeitet, muss man einen Plan B haben.“

Aha, also doch. Und wie stellen Sie Ihr Dummy-Speiseeis her? „Aus Margarine und Stärke.“ Leider wollte mir der Foodstylist nicht verraten, welche Firmen mit echtem Eis und welche mit Dummy-Eis arbeiten: „Das bleibt ein Geheimnis.“

Auch der Frankfurter Foodstylist Tino Kalning hält sich beim Interview mit Susan Brooks-Dammann bedeckt. Er meint jedoch, dass bei den großen Eisherstellern kein Dummy-Eis verwendet wird: „Hier wird auf die Echtheit des Eises großen Wert gelegt. Deshalb wird mit Originaleis gearbeitet.“

>>> Hier geht’s zum Rezept fürs Dummy-Eis.

Fotos: Günter Beer (1, 3), Karin Hertzer (2), Susan Brooks-Dammann (4), Johannes Schalk (5)

In diesem Video erklärt der Foodstylist Jim Rude, wie er echtes Eis für die Fotos von Chris Hynes vorbereitet: Meist trägt er dabei Handschuhe – weil’s hygienischer, aber auch wärmer ist!

Meine Fragen: Haben Sie sich schon mal über Eis-Fotos gewundert, weil das Eis nicht echt aussah? Woran erkennen Sie ein Dummy-Eis? Wie reagieren Sie als Kunde auf das Schummeln bei Food-Fotos?

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